Wie vergleicht man Kreditangebote richtig?
Über den effektiven Jahreszins und die Gesamtkosten – nicht über die monatliche Rate. Der Effektivzins enthält alle Kosten, die der Kredit zwingend mit sich bringt, und macht zwei Angebote damit überhaupt erst vergleichbar. Die Rate dagegen sagt für sich genommen nichts: Sie lässt sich durch eine längere Laufzeit beliebig klein rechnen, und genau das macht den Kredit teurer.
Sollzins und effektiver Jahreszins
Der Sollzins ist der reine Preis für das geliehene Geld. Mit ihm wird gerechnet: Er bestimmt, wie viel Zins in jeder einzelnen Rate steckt, und aus ihm ergibt sich die Rate selbst. Genau deshalb arbeiten die Rechner auf dieser Seite mit dem Sollzins – er ist die Zahl, mit der eine Bank tatsächlich rechnet.
Der effektive Jahreszins ist dagegen eine Vergleichszahl. Nach § 16 PAngV umfasst er die Gesamtkosten des Kredits, also neben dem Zins auch Kosten, die zwingend anfallen – etwa eine erforderliche Versicherung oder Vermittlungskosten. Deshalb liegt er fast immer über dem Sollzins, und deshalb ist er die einzige Zahl, mit der sich zwei Angebote verschiedener Anbieter ehrlich nebeneinanderlegen lassen.
Die Laufzeit entscheidet über die Gesamtkosten
Ein Beispiel mit identischem Zins: 12.000 € zu 5 % über 36 Monate kosten 359,65 € im Monat und insgesamt 947,43 € Zinsen. Dieselben 12.000 € zu denselben 5 %, gestreckt auf 60 Monate, kosten nur noch 226,45 € im Monat – aber 1.587,29 € Zinsen. Die Rate sinkt um gut ein Drittel, die Zinskosten steigen um zwei Drittel.
Wer Angebote nach der Rate sortiert, sortiert also nach der Laufzeit und nicht nach dem Preis. Sinnvoll ist die umgekehrte Reihenfolge: erst die Laufzeit wählen, die zum Budget passt, dann innerhalb dieser Laufzeit den niedrigsten Effektivzins suchen – und die Rate lieber so hoch ansetzen, wie sie dauerhaft tragbar ist.
Warum der beworbene Zins selten Ihrer ist
Viele Ratenkredite werden bonitätsabhängig vergeben: Beworben wird ein Zins „ab“ einem niedrigen Wert, den nur ein Teil der Kunden bekommt. Werbung mit einem konkreten Zinssatz muss deshalb ein repräsentatives Beispiel enthalten – eine Kombination aus Betrag, Laufzeit und Effektivzins, die für einen erheblichen Teil der tatsächlich geschlossenen Verträge gilt. Dieses Beispiel ist die realistischere Zahl als der Blickfang darüber.
Verbindlich wird es erst mit einem individuellen Angebot. Achten Sie darauf, dass eine Anfrage als Konditionsanfrage gestellt wird: Sie dient der Preisauskunft und wird bei Auskunfteien anders behandelt als eine echte Kreditanfrage. Wer bei fünf Banken eine Kreditanfrage stellt, hinterlässt fünf Spuren.
Die Posten, die ein Angebot teurer machen als es aussieht
Eine Restschuldversicherung ist der häufigste. Ist sie Voraussetzung für den Kredit oder für die angebotenen Konditionen, gehört sie in den Effektivzins; ist sie freiwillig, steht sie daneben und kann den Vergleich unbemerkt verzerren. Dazu kommen Kontoführungsgebühren für das Darlehenskonto, Gebühren für eine Ratenpause und – bei vorzeitiger Rückzahlung eines Verbraucherdarlehens – eine Vorfälligkeitsentschädigung.
In die andere Richtung wirken kostenlose Sondertilgungen und das Recht, den Kredit ganz abzulösen. Sie kosten nichts, solange man sie nicht nutzt, und machen ein Angebot mit minimal höherem Zins unter Umständen günstiger als eines ohne. Prüfen Sie diese Punkte, bevor Sie zwei Effektivzinsen vergleichen – sonst vergleichen Sie zwei verschiedene Produkte.
Welcher Rechner beantwortet welche Frage?
Für einen Ratenkredit mit fester Laufzeit ist der Kreditrechner zuständig: Er zeigt Rate, Gesamtkosten und Zinsanteil – und rechnet auch umgekehrt, welchen Kredit eine gewünschte Rate trägt. Für eine Baufinanzierung übernimmt der Tilgungsrechner, weil dort die Laufzeit nicht vereinbart, sondern das Ergebnis der Tilgung ist und nach der Zinsbindung eine Restschuld bleibt.
Daneben: Der Zinsrechner beantwortet die Grundfrage nach Zins, Kapital oder Laufzeit, wenn eine dieser Größen fehlt. Beim Immobilienkauf gehören der Eigenkapitalrechner und die Kaufnebenkosten dazu, denn beide bestimmen, wie hoch das Darlehen überhaupt ausfallen muss. Alle Ergebnisse dieses Bereichs verstehen sich vor Steuern.
Quellen & Stand
Stand: 13.09.2026
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Häufige Fragen
- Warum weicht der Effektivzins vom Sollzins ab?
- Weil er mehr enthält. Der Sollzins ist nur der Preis für das Geld, der effektive Jahreszins nach § 16 PAngV die Gesamtkosten einschließlich zwingender Nebenkosten. Fallen keine solchen Kosten an und wird monatlich gezahlt, liegen beide dicht beieinander – die Differenz kommt fast immer aus Gebühren oder einer erforderlichen Versicherung.
- Ist ein längerer Kredit günstiger?
- Nur die Rate ist niedriger, der Kredit selbst wird teurer. 12.000 € zu 5 % kosten über 36 Monate 947,43 € Zinsen, über 60 Monate 1.587,29 €. Eine längere Laufzeit kauft Luft im Monatsbudget, und dafür zahlt man – das kann richtig sein, günstiger ist es nicht.
- Was ist ein repräsentatives Beispiel in der Werbung?
- Eine Kombination aus Kreditbetrag, Laufzeit und effektivem Jahreszins, die ein erheblicher Teil der Kunden tatsächlich erhält. Sie steht meist klein unter dem beworbenen „ab“-Zins und ist die deutlich aussagekräftigere Zahl, weil der Blickfang oben nur für die besten Bonitäten gilt.
- Lohnt sich eine Umschuldung?
- Wenn die Zinsersparnis größer ist als die Kosten des Wechsels. Rechnen Sie den Restbetrag über die verbleibende Laufzeit einmal mit dem alten und einmal mit dem neuen Zins und ziehen Sie die Differenz ab; dagegen steht eine mögliche Vorfälligkeitsentschädigung. Der Kreditrechner liefert beide Zahlen in zwei Durchläufen.
- Warum rechnet diese Seite den Effektivzins nicht aus?
- Weil er nur so gut ist wie die Kostenangaben, die hineingehen. § 16 PAngV definiert ihn über die Gesamtkosten, und die kennt nur Ihr konkretes Angebot. Ein aus dem Sollzins „berechneter“ Effektivzins wäre eine erfundene Zahl – die echte steht in jedem Angebot und muss dort auch stehen.
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