Wie berechnet man eine Treppe?
Die Geschosshöhe wird durch eine ganze Zahl von Steigungen geteilt – alle Stufen müssen gleich hoch sein. Der Auftritt folgt aus der Schrittmaßregel: 2 × Steigung + Auftritt = 63 cm. Bei 2,60 m Geschosshöhe sind das 15 Steigungen à 17,3 cm und ein Auftritt von 28,3 cm, also 3,97 m Lauflänge.
Die Formel
Steigungen = Geschosshöhe ÷ gewünschte Steigungshöhe (gerundet)
Steigungshöhe s = Geschosshöhe ÷ Steigungen
Auftritt a = 63 cm − 2 × s
Lauflänge = a × (Steigungen − 1)Die Zahl der Steigungen muss ganzzahlig sein, deshalb wird gerundet und die Steigungshöhe daraus zurückgerechnet. Auftritte gibt es immer eine weniger als Steigungen: Die oberste Steigung endet auf dem Geschossboden und braucht keine Trittstufe.
Rechenbeispiel
Eine gerade Treppe für eine Geschosshöhe von 2,60 m, gewünschte Steigung 17,5 cm:
- 1.Steigungen: 260 ÷ 17,5 = 14,86 → gerundet 15
- 2.Steigungshöhe: 260 ÷ 15 = 17,33 cm
- 3.Auftritt: 63 − 2 × 17,33 = 28,33 cm
- 4.Auftritte: 15 − 1 = 14
- 5.Lauflänge: 28,33 × 14 = 396,7 cm
Die Treppe hat 15 Steigungen à 17,3 cm bei 28,3 cm Auftritt und braucht knapp 4 m Lauflänge.
Die drei Regeln: Schrittmaß, Bequemlichkeit, Sicherheit
Die Schrittmaßregel geht auf die durchschnittliche Schrittlänge eines Menschen von rund 63 cm zurück: 2 × Steigung + Auftritt sollte zwischen 59 und 65 cm liegen. Wer eine Treppe außerhalb dieses Bereichs baut, merkt das beim Gehen sofort – man kommt aus dem Tritt.
Die Bequemlichkeitsregel lautet Auftritt − Steigung ≈ 12 cm. Sie sorgt für ein angenehmes Verhältnis von flach und steil. Die Sicherheitsregel lautet Auftritt + Steigung ≈ 46 cm; sie stellt sicher, dass der Fuß beim Abwärtsgehen vollständig auf der Stufe steht.
Diese drei Regeln lassen sich nie alle exakt gleichzeitig erfüllen. In der Praxis hat das Schrittmaß Vorrang, die beiden anderen dienen der Kontrolle. Der Rechner zeigt alle drei Werte an, damit Sie sehen, wo Ihre Treppe steht.
Wenn der Platz nicht reicht
Fast 4 m Lauflänge für eine Geschosshöhe von 2,60 m überraschen viele. Ist der Platz kleiner, tragen Sie die verfügbare Lauflänge ein: Der Rechner ermittelt dann den Auftritt aus dem vorhandenen Raum und zeigt, ob das Schrittmaß noch im grünen Bereich liegt.
Wird es zu eng, gibt es drei bauliche Antworten: eine gewendelte Treppe (spart Lauflänge, ist aber aufwendiger und im Wendelbereich unbequemer), ein Zwischenpodest mit Richtungswechsel, oder eine steilere Treppe – wobei Steilheit schnell an die Grenzen des Zumutbaren und des Baurechts stößt.
Ein häufiger Denkfehler: Die Lauflänge ist nicht die Länge der Treppe im Raum, sondern die waagerechte Projektion. Der schräge Treppenlauf ist länger – für die lichte Höhe über der Treppe ist das entscheidend.
Baurecht: was dieser Rechner nicht leistet
Für notwendige Treppen in Gebäuden gelten zusätzlich DIN 18065 und die jeweilige Landesbauordnung. Sie regeln unter anderem Mindestlaufbreiten, zulässige Steigungsverhältnisse, Geländerhöhen und Anforderungen an Handläufe – und sie unterscheiden zwischen Wohngebäuden mit bis zu zwei Wohnungen und allen anderen.
Dieser Rechner nennt bewusst keine dieser Grenzwerte, weil sie je nach Bundesland und Gebäudeart abweichen und sich ändern können. Er liefert die Geometrie nach den anerkannten Schrittmaßregeln – für eine genehmigungsfähige Treppe gehört die Prüfung in die Hand einer Fachplanung.
Für eine Nebentreppe im eigenen Garten oder eine Kellertreppe im Bestand ist die Schrittmaßregel dagegen genau das richtige Werkzeug.
Quellen & Stand
Stand: 07.09.2026
Gesetzliche Angaben dienen der Information und ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Häufige Fragen
- Warum ist die Steigungszahl immer eine ganze Zahl?
- Weil alle Stufen einer Treppe gleich hoch sein müssen. Eine abweichende letzte Stufe ist die häufigste Stolperursache überhaupt. Deshalb wird die Geschosshöhe durch eine gerundete Stufenzahl geteilt und die Steigungshöhe daraus zurückgerechnet – nicht umgekehrt.
- Was ist der Unterschied zwischen Auftritt und Stufentiefe?
- Der Auftritt ist der waagerechte Abstand von Stufenvorderkante zu Stufenvorderkante. Die Stufentiefe kann größer sein, wenn die Stufen überstehen (Unterschneidung). Für die Lauflänge zählt immer der Auftritt.
- Wie messe ich die Geschosshöhe richtig?
- Von Oberkante Fertigfußboden unten bis Oberkante Fertigfußboden oben – also inklusive aller Bodenaufbauten wie Estrich und Belag. Wird der Boden erst nach der Treppe verlegt, muss dessen Aufbauhöhe eingerechnet werden, sonst stimmt die letzte Stufe nicht.
- Welche Steigung ist für eine Kellertreppe üblich?
- Kellertreppen und Nebentreppen dürfen steiler ausfallen als die Haupttreppe – 18 bis 19 cm Steigung sind dort verbreitet, mit entsprechend kleinerem Auftritt. Bequem ist das nicht mehr, aber für selten genutzte Wege akzeptabel.
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