Wie berechnet man die Jahresarbeitszahl?
Die Jahresarbeitszahl ist die im Jahr abgegebene Wärmemenge geteilt durch den dafür verbrauchten Strom. 12.000 kWh Wärme aus 3.000 kWh Strom ergeben eine JAZ von 4 – drei Viertel der Wärme kamen kostenlos aus der Umwelt. Ab etwa 3,0 arbeitet eine Wärmepumpe bei deutschen Preisverhältnissen wirtschaftlich.
Die Formel
JAZ = abgegebene Wärmemenge (kWh) ÷ aufgenommener Strom (kWh)
Umweltwärme = Wärmemenge − StromBeide Werte müssen sich auf denselben Zeitraum beziehen, idealerweise ein volles Jahr inklusive Winter und Warmwasserbereitung. Der Stromverbrauch ist der des Wärmepumpenzählers, nicht der des Haushalts.
Rechenbeispiel
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe liefert im Jahr 12.000 kWh Wärme und verbraucht dafür 3.000 kWh Strom:
- 1.JAZ: 12.000 ÷ 3.000 = 4,0
- 2.Als Wirkungsgrad gelesen: 400 %
- 3.Umweltwärme: 12.000 − 3.000 = 9.000 kWh
- 4.Anteil kostenloser Wärme: 75 %
Die JAZ beträgt 4,0. Von vier Kilowattstunden Wärme wurde nur eine bezahlt.
JAZ oder COP – was ist der Unterschied?
Der COP (Coefficient of Performance) ist ein Laborwert: gemessen bei genau festgelegten Temperaturen, etwa 7 °C Außenluft und 35 °C Vorlauf. Er beschreibt die Leistungsfähigkeit des Geräts unter Idealbedingungen und steht im Datenblatt.
Die Jahresarbeitszahl ist der Wert, der über ein ganzes Jahr tatsächlich herauskommt – mit kalten Tagen, an denen die Wärmepumpe schlechter arbeitet, mit Warmwasserbereitung auf höherem Temperaturniveau und mit allem, was die Anlage sonst noch verbraucht.
Die JAZ liegt deshalb praktisch immer unter dem COP aus dem Datenblatt. Wer ein Angebot bewertet, sollte nach der zu erwartenden JAZ fragen, nicht nach dem COP.
Was die JAZ nach oben oder unten treibt
Der wichtigste Hebel ist die Vorlauftemperatur: Je niedriger die Temperatur, mit der geheizt wird, desto besser die JAZ. Eine Fußbodenheizung mit 30 °C Vorlauf liefert deutlich bessere Werte als alte Heizkörper mit 55 °C. Das ist der Grund, warum Wärmepumpe und Flächenheizung so oft zusammen genannt werden.
Die Wärmequelle entscheidet ebenfalls: Sole-Wasser-Wärmepumpen mit Erdsonde erreichen typischerweise höhere Werte als Luft-Wasser-Geräte, weil die Quelltemperatur im Winter stabiler bleibt – genau dann, wenn die meiste Wärme gebraucht wird.
Warmwasser drückt die JAZ, weil es ganzjährig auf hohem Temperaturniveau bereitet werden muss. Anlagen, die auch das Warmwasser übernehmen, liegen deshalb unter dem Wert für reines Heizen.
Was die JAZ für die Heizkosten bedeutet
Die JAZ lässt sich direkt in Geld übersetzen: Wärmebedarf geteilt durch die JAZ ergibt den Stromverbrauch, mal dem Strompreis ergibt die Heizkosten.
Für ein Haus mit 12.000 kWh Wärmebedarf heißt das: Bei einer JAZ von 3,0 sind 4.000 kWh Strom nötig, bei einem Wärmepumpentarif von beispielsweise 0,30 € je kWh also 1.200 € im Jahr. Steigt die JAZ auf 4,0, sind es 3.000 kWh und 900 € – 300 € Unterschied pro Jahr, bei identischer Wärme im Haus. Über zwanzig Jahre ist das der Preis einer kompletten Anlagenoptimierung.
Quellen & Stand
Stand: 07.09.2026
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Häufige Fragen
- Ist ein Wirkungsgrad von 400 % nicht unmöglich?
- Nur scheinbar. Eine Wärmepumpe erzeugt keine Energie, sie transportiert sie: Der Strom treibt lediglich den Prozess an, der Wärme aus Luft, Erdreich oder Grundwasser ins Haus pumpt. Die Umweltwärme war schon vorher da und kostet nichts – deshalb ist mehr Wärme im Haus als Strom im Zähler.
- Wo messe ich die Wärmemenge?
- Am Wärmemengenzähler der Anlage. Viele moderne Wärmepumpen zeigen beide Werte – abgegebene Wärme und aufgenommenen Strom – direkt im Menü oder in der App an. Fehlt ein Wärmemengenzähler, lässt sich die JAZ nicht messen, sondern nur schätzen.
- Welche JAZ sollte meine Anlage erreichen?
- Luft-Wasser-Wärmepumpen liegen im Bestand häufig zwischen 3 und 4, Sole-Wasser-Anlagen zwischen 4 und 5. Der Richtwert 3,0 im Rechner ist eine Faustregel für Wirtschaftlichkeit gegenüber Gas und verschiebt sich mit dem Verhältnis von Strom- zu Gaspreis – keine Vorschrift.
- Wie schätze ich meinen Wärmebedarf?
- Aus dem bisherigen Verbrauch. Ein Liter Heizöl entspricht etwa 10 kWh, ein Kubikmeter Erdgas ebenfalls rund 10 kWh. Von dieser Energiemenge kommt nicht alles als Wärme an – bei einem älteren Kessel rechnet man grob mit 80 bis 90 %. Wer 2.000 Liter Öl verbraucht hat, liegt damit ungefähr bei 16.000 bis 18.000 kWh Wärmebedarf.
- Zählt der Strom für den Heizstab mit?
- In einer ehrlichen Jahresarbeitszahl ja. Der elektrische Heizstab springt an kalten Tagen und für die Legionellenschaltung ein und heizt dabei mit einer Arbeitszahl von 1. Viele Herstellerangaben lassen ihn weg, weshalb die gemessene JAZ im Haus oft unter dem Prospektwert liegt – rechnen Sie mit dem Zählerstand der gesamten Anlage.
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