Wie viel Strom braucht eine Wärmepumpe?
Der Stromverbrauch ist der Wärmebedarf geteilt durch die Jahresarbeitszahl. Ein Haus mit 12.000 kWh Wärmebedarf und einer JAZ von 4 braucht 3.000 kWh Strom – bei 0,30 € je kWh sind das 900 € im Jahr, also 7,5 Cent je Kilowattstunde Wärme.
Die Formel
Stromverbrauch = Wärmebedarf ÷ JAZ
Kosten = Stromverbrauch × Strompreis
Kosten je kWh Wärme = Kosten ÷ WärmebedarfVerglichen werden darf nur je Kilowattstunde WÄRME, nicht je Kilowattstunde gekaufter Energie – sonst schneidet die Wärmepumpe scheinbar schlecht ab, obwohl sie aus jeder gekauften Kilowattstunde mehrere Kilowattstunden Wärme macht.
Rechenbeispiel
Ein Einfamilienhaus mit 12.000 kWh Wärmebedarf, JAZ 4,0, Wärmepumpentarif 0,30 € je kWh:
- 1.Stromverbrauch: 12.000 ÷ 4 = 3.000 kWh
- 2.Stromkosten: 3.000 × 0,30 € = 900 €
- 3.Je kWh Wärme: 900 ÷ 12.000 = 0,075 € = 7,5 ct
- 4.Umweltwärme: 12.000 − 3.000 = 9.000 kWh
- 5.Vergleich Gas bei 11 ct/kWh: 12.000 × 0,11 = 1.320 €
Die Wärmepumpe kostet 900 € im Jahr, Gas bei diesen Preisen 1.320 €. Der Vorsprung hängt vollständig an der JAZ.
Warum die JAZ über alles entscheidet
Der Stromverbrauch hängt umgekehrt proportional an der Jahresarbeitszahl: Sinkt sie von 4,0 auf 2,5, steigt der Verbrauch von 3.000 auf 4.800 kWh – die Kosten springen von 900 auf 1.440 €. Aus einem klaren Vorteil gegenüber Gas wird ein Nachteil.
Das ist der Grund, warum die Frage nie „Wärmepumpe ja oder nein“ lautet, sondern „welche JAZ erreicht diese Anlage in diesem Haus“. Ein unsaniertes Gebäude mit alten Heizkörpern und 55 °C Vorlauf ist ein schlechter Kandidat, ein Haus mit Fußbodenheizung ein guter.
Rechnen Sie deshalb mit einer realistischen JAZ, nicht mit dem COP aus dem Prospekt – und im Zweifel mit dem unteren Ende der Spanne.
Wärmepumpentarife und was der Rechner nicht abbildet
Für Wärmepumpen gibt es eigene Stromtarife, die unter dem Haushaltstarif liegen. Voraussetzung ist meist ein separater Zähler und die Bereitschaft, kurze Sperrzeiten des Netzbetreibers hinzunehmen. Der Preisunterschied ist erheblich und gehört in jede Wirtschaftlichkeitsrechnung.
Nicht enthalten sind hier: Anschaffung und Installation, Förderungen, Wartung, sowie der Strom für Hilfsaggregate wie den Heizstab, der an sehr kalten Tagen zuschaltet. Gerade der Heizstab drückt die reale JAZ und ist der häufigste Grund, warum die gemessene Zahl unter der versprochenen liegt.
Ebenfalls nicht abgebildet: die Entwicklung von Strom- und Gaspreisen. Der Vergleich in diesem Rechner ist eine Momentaufnahme mit den Preisen, die Sie eintragen.
Heizlast und Vorlauftemperatur: die zwei Zahlen vor dem Kauf
Wie groß eine Wärmepumpe sein muss, entscheidet nicht der Jahresverbrauch, sondern die Heizlast am kältesten Tag – gemessen in Kilowatt. Eine zu klein gewählte Anlage heizt an diesen Tagen elektrisch nach, eine zu große taktet ständig; beides drückt die Arbeitszahl. Diese Zahl schätzt man nicht, sie wird berechnet.
Die zweite Zahl ist die Vorlauftemperatur, die das Haus im Winter braucht. Sie entscheidet über den Stromverbrauch, weil die Wärmepumpe umso effizienter arbeitet, je kleiner der Abstand zwischen Quelle und Vorlauf ist. Größere Heizflächen, ein hydraulischer Abgleich und eine flach eingestellte Heizkurve senken sie – und jedes Grad weniger verbessert die Jahresarbeitszahl, die der JAZ-Rechner aus Ihren eigenen Zahlen ermittelt.
Quellen & Stand
Stand: 07.09.2026
Die Formel dieser Seite ist stabil, die Vorgabewerte sind Beispielwerte und ändern sich mit dem Markt. Maßgeblich ist immer Ihre eigene Abrechnung.
Häufige Fragen
- Woher kenne ich meinen Wärmebedarf?
- Aus der letzten Heizkostenabrechnung: Bei Gas steht der Verbrauch in kWh, bei Öl rechnen Sie die Liter mit rund 10 kWh je Liter um. Der Heizkosten-Rechner nimmt Ihnen diese Umrechnung ab. Der Energieausweis nennt ebenfalls einen Kennwert, allerdings nach anderer Systematik.
- Lohnt sich eine Wärmepumpe im Altbau?
- Das hängt an der erreichbaren Vorlauftemperatur, nicht am Baujahr. Ein Altbau mit großzügig dimensionierten Heizkörpern kann eine gute JAZ erreichen, ein schlecht gedämmtes Haus mit knappen Heizflächen nicht. Rechnen Sie den Fall mit einer pessimistischen JAZ durch – wenn er dann noch aufgeht, ist die Entscheidung robust.
- Kann ich die Wärmepumpe mit meiner PV-Anlage betreiben?
- Teilweise. Das Problem ist die Gleichzeitigkeit: Die Wärmepumpe braucht den meisten Strom im Winter, die PV-Anlage liefert am meisten im Sommer. Ein nennenswerter Beitrag ist in der Übergangszeit möglich, im Januar praktisch nicht.
- Was ist ein hydraulischer Abgleich?
- Die Einstellung, mit der das Heizwasser gleichmäßig auf alle Räume verteilt wird. Ohne sie bekommen Räume nahe am Wärmeerzeuger zu viel und entfernte zu wenig – und die Anlage wird über die Vorlauftemperatur nachgeregelt, bis auch der letzte Raum warm ist. Genau das kostet bei einer Wärmepumpe am meisten.
- Braucht eine Wärmepumpe einen Pufferspeicher?
- Meist einen kleinen, damit das Abtauen und mögliche Sperrzeiten des Netzbetreibers überbrückt werden können. Zu groß gewählt schadet er allerdings: Jeder Speicher bedeutet eine höhere Vorlauftemperatur und damit eine schlechtere Arbeitszahl. Die Größe gehört zur Planung, nicht ins Zubehör.
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